Wir als Evangelische Jugend Fichtelgebirge verurteilen die Abschiebung der Familie Jamalov aus Selb.

Wir haben sie als gut integrierte, offene und interessierte Menschen wahrgenommen. Die 10-jährige Tochter Ayan besuchte mehrmals Veranstaltungen der Evangelischen Jugend im Fichtelgebirge, darunter Freizeiten und den Kinderzirkus. Wir erlebten sie als lebensfrohes und aufgewecktes Mädchen, das sehr gut Deutsch sprach und in ein soziales Netzwerk eingebunden schien. Auch der Rest der Familie blieb uns als tolerant und aufgeschlossen in Erinnerung.

Umso bedauerlicher finden wir, dass diese Familie aus dem Schlaf gerissen und abgeschoben wurde. Wir können nicht nachvollziehen, warum ihnen das Aufenthaltsrecht entzogen wurde und der Staat seine Gewalt mitten in der Nacht gegen kleine Kinder richtete. Wir sehen hier eine deutliche Verletzung der Menschenwürde.

Wir sind uns bewusst und weisen darauf hin, wie wichtig es für Kinder und Jugendliche ist, in einem gesicherten sozialen Umfeld aufzuwachsen. Dieses Umfeld wurde durch die Abschiebung zerstört. Wir selber können uns nicht vorstellen, kurz vor dem Schulabschluss bzw. dem Übertritt zu stehen und in einer Nacht alles zu verlieren: Schule, Freunde, Heimat.

Als Evangelische Jugend stehen wir für ein christliches Menschenbild, das Nächstenliebe und Barmherzigkeit als höchste Güter hat. Aus dieser Perspektive heraus verurteilen wir die Abschiebung und ihre Umstände.

Wir fragen uns:

Warum wurde die Familie überhaupt abgeschoben?

Warum musste diese Abschiebung, trotz der kleinen Kinder, mitten in der Nacht geschehen?

Welche Perspektive haben die Kinder, die ihre Schulausbildung in Deutschland verloren haben?

Welches Bild bleibt der Familie von Deutschland?

 

Wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen in Deutschland.

 

Unterzeichnet durch Vertreter des  Erweiterten Leitenden Kreis der Evangelischen Jugend Fichtelgebirge